Angelique Kerber, Naomi Osaka und Rafael Nadal kehren nach langen Pausen zurück auf die Tennisbühne. Während der spanische Superstar seinen Abschied vom Profisport vorbereitet und dies sein letztes Jahr auf der Tour sein wird, streben die Spielerinnen danach, erneut große Erfolge zu feiern.
Die Auftaktveranstaltung des Tennisjahres in Australien wirft ihre Schatten voraus, und der weltweite Tenniszirkus nimmt wieder an Fahrt auf. Drei namhafte Akteure, die die Tennisfans im vergangenen Jahr schmerzlich vermisst haben, sind wieder mit dabei:
Angelique Kerber (3), Naomi Osaka (4) und Rafael Nadal (22) bringen insgesamt 29 Grand-Slam-Titel auf die Damen- (WTA) bzw. Herren- (ATP) Tour zurück.
Aber ist ein solches Comeback überhaupt möglich? „Die entscheidende Frage wird sein, wie stark das Feuer in ihnen noch brennt und wie viel Energie sie spüren, um ihren Weg auf höchstem Niveau fortzusetzen“, sagt Andreas Maurer, ehemaliger Weltklassespieler und Proficoach. „Denn das ist die absolute Voraussetzung, um wieder auf höchstem Niveau zu spielen.“
Angelique Kerber hat sich eineinhalb Jahre Auszeit genommen – eine beachtliche Zeitspanne, insbesondere in einem Sportlerleben, in dem die Zeit ohnehin begrenzt ist. Dennoch möchte es die 35-Jährige noch einmal wissen, nach der Geburt ihrer Tochter Liana. Für ihr Comeback hat sich Kerber den United Cup in Australien ausgesucht, einen Teamwettbewerb für Damen und Herren.
In Sydney wird die ehemalige Nummer eins der Welt unter anderem mit Alexander Zverev für Deutschland antreten. Dennoch gibt es einige Unbekannte im Leben der gebürtigen Bremerin. Wie wird Töchterchen Liana mit der langen Reise und der Zeitumstellung zurechtkommen? Wie wird Kerber selbst mit dieser neuen Situation umgehen? „Ich freue mich natürlich riesig. Aber natürlich bin ich auch ein bisschen aufgeregt, weil ich nicht einschätzen kann, wo ich stehe, wie das alles sein wird“, sagte Kerber kurz vor Weihnachten. Auf ihr Comeback hat sie sich mit ihrem alten, neuen Trainer Torben Beltz in ihrer Akademie im polnischen Puszczykowo vorbereitet.
Sie wird weniger spielen als früher, die Turniere bewusster angehen und sich bestmöglich auf die Australian Open (14. – 28.1.2024) vorbereiten. „Ich muss mir auch Zeit geben. Ich kann nicht erwarten, in Australien direkt mein bestes Tennis zu spielen“, so Kerber. Es ist diese Ungewissheit, mit der Profisportler immer leben müssen, insbesondere im mental anspruchsvollen Tennissport. Sind sie gut genug vorbereitet? Reicht ihr Leistungsniveau aus, um konkurrenzfähig zu sein? Nach einer so langen Pause ohne Wettkampf-Tennis dürften die Selbstzweifel bei den Rückkehrern noch größer sein als ohnehin. Der Weg zurück an die Spitze des Tennissports dürfte für alle drei Akteure äußerst beschwerlich werden. „Es ist natürlich sehr schwierig, nach so langer Zeit wieder auf das alte Fitness-Niveau zu kommen. Diese Quälerei, um dorthin zurückzukehren, ist sehr hart“, sagt der Chef-Bundestrainer des Deutschen Tennis Bundes (DTB), Michael Kohlmann und bezieht sich dabei auf alle drei Comebacker.
„Training ist ja das eine. Aber Matches zu spielen und diesen Druck wieder zu verspüren, ist nochmal eine andere Herausforderung“, so Kohlmann. Und das ist vor allem etwas, was niemand in Trainingseinheiten simulieren kann. Kohlmann traut Kerber jedoch noch einiges zu, besonders wenn nicht alles bei ihrem Comeback sofort funktioniert: „Ich könnte mir vorstellen, dass es bei Angelique erstmal eine gewisse Zeit braucht, um den Willen zu haben, wieder über die eigenen Grenzen zu gehen. Dann aber kann sie wieder ein sehr hohes Niveau erreichen. Ich hoffe, dass das dabei herauskommt, was sie sich vorstellt.“
Naomi Osaka hat für ihren neuen Lebensabschnitt gleich sehr hohe Ziele. „Ich möchte nicht zurückkommen, wenn ich nicht auf einem bestimmten Niveau spielen kann“, sagte Osaka, die im vergangenen Sommer ihre Tochter Shai zur Welt gebracht hat. Die 26-jährige Japanerin hat sich das Ziel gesetzt, acht weitere Grand-Slam-Titel zu gewinnen, und möchte 2024 in Paris die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen holen. Bei dem Turnier in Brisbane (31. Dezember bis 7. Januar) wird Osaka ihr Comeback auf dem dortigen Hartplatz geben.
Die Tatsache, dass sie sich selbst so unter Druck setzt, ist überraschend, insbesondere weil Osaka noch im Jahr 2021 bei den French Open ausstieg, weil sie dem mentalen Druck nach eigenen Angaben nicht mehr gewachsen war. Doch gerade die mentale Stärke ist eine Grundvoraussetzung, um im Spitzen-Tennis widerstandsfähig und erfolgreich zu sein. „Im Leistungssport entscheidet immer, egal in welchem Alter man sich befindet, die mentale Verfassung“, sagt Maurer mit Blick auf mehr als 40 Jahre Erfahrung auf der Profitour. „Die unglaubliche Gier nach Erfolg und die große Leidensfähigkeit des Einzelnen, gerade wenn man zurückkommt, machen am Ende den Unterschied aus. Und Osaka will jetzt, nachdem sie etwas fragil war, nachweisen, dass sie mental bärenstark ist.“
Das Comeback von Rafael Nadal wirft wohl die größten Fragen auf. Die vielfältigen physischen Probleme und Verletzungen des spanischen Superstars sind hinlänglich bekannt. Auch er hat eine lange, einjährige Pause hinter sich, scheint sich nun aber körperlich wieder erholt zu haben. „Ich würde es gerne anders beenden, nicht in einem Presseraum“, sagte der 37-Jährige. Nadals Sportsgeist ist enorm ausgeprägt. In Brisbane wird der Spanier wieder unter Wettkampfbedingungen aufschlagen.
Dafür hat er hart gearbeitet. „Ich bin sehr gespannt, wozu Rafael Nadal noch in der Lage ist. Er ist sehr erfahren, und er würde sicher nicht antreten, wenn er nicht konkurrenzfähig wäre. Sein Ziel dürfte es sein, die zweite Woche bei den Grand Slams zu erreichen“, sagt DTB-Cheftrainer Kohlmann. Nadal dürfte derjenige der drei Comebacker sein, der sein Karriereende am deutlichsten am (Tennis-)Horizont sieht, auch wenn er sich offiziell kein Limit gesetzt hat. Und Nadal kämpft deshalb vor allem darum, sich selbst einen würdigen Abschied zu verschaffen. „Ich glaube, der ganz tiefe Traum von Nadal ist es, nochmal in Paris eine gute Rolle zu spielen. In seinem Wohnzimmer, wo er so unglaubliche Erfolge gefeiert hat“, sagt Maurer.
Dass all diese geplanten Comebacks allesamt so funktionieren werden, wie sich die Protagonisten dies vorstellen, steht jedoch noch lange nicht fest. „Man muss wissen, dass das für alle drei ein ganz harter Weg ist. Aber nach ein, zwei Turnieren wissen diese Spieler ganz genau, wohin die Reise geht“, sagt Maurer. Auch ein vorzeitiges Karriereende ist deshalb nicht ausgeschlossen.
Wir von Tennis Guru halten euch auf dem Laufenden, wie die Comebacks verlaufen. Seid gespannt!







