Was kostet die (Sport-) Welt? Saudi-Arabien als Big Player oben angekommen
Ja, Saudi-Arabien investiert seit Jahren sehr viel Geld in den weltweiten Sport, sichtbar u.a. durch den eigenen Formel 1 Grand Prix in Jeddah, die Ausrichtung der Next Gen Finals (ebenfalls in Jeddah), das Engagement beim Premier-League-Club „Newcastle United“, die Erschaffung einer parallelen Golftour analog der PGA-Tour, die Fussball-WM Kandidatur 2034 oder die zahlreichen Star-Verpflichtungen rund um Ronaldo, Neymar und Co. für die heimische Fussball-Liga „Saudi Pro League“, etc.
Ja, Saudi-Arabien gibt nicht erst seit gestern Millionenbeträge für Tennis-Showkämpfe aus, wie kürzlich nach Weihnachten der zwischen Carlos Alcaraz und Novak Djokovic in Riad (Alcaraz gewann 4:6, 6:4, 6:4). Auch Roger Federer und Rafael Nadal wissen davon ein Lied zu singen.
Ja, die ATP Next Gen Finals fanden dieses Jahr in Jeddah statt und werden aller Voraussicht nach auch die nächsten Jahre wieder dort stattfinden, vermutlich auch die WTA-Finals.
Ja, Saudi-Arabien ist nicht unbedingt dafür bekannt große Tennisspieler bzw. Tennisspielerinnen hervorgebracht zu haben bzw. überhaupt eine große Verbindung zu diesem Sport zu haben. Und Ja, der Tenniskalender ist sowohl auf der ATP- als auch auf der WTA-Tour bereits völlig überfüllt.
Warum will Saudi-Arabien neben der Formel 1, dem Fussball oder Golf, jetzt auch noch einsteigen in den Tenniszirkus und ein eigenes großes Masters 1000 Turnier veranstalten oder gar eine neue Tennis Super League mitfinanzieren?
Das (Tennis-) Establishment wird nervös oder „Veränderung ist die einzige Konstante“
Man kann es kaum glauben, aber Deutschland hatte auch mal ein Masters 1000 Turnier (in Hamburg). Die Australien Open wurden mal zweimal im Jahr gespielt und übrigens nicht immer in Melbourne (u.a. fanden sie auch in Sydney und sogar in Neuseeland statt). Auch gab es mal eine eine Zeit vor der Open Ära, wo Spieler und Spielerinnen aufgrund diverser Kriterien ausgeschlossen waren vom Teilnehmerfeld.
Was ist sagen will. Dass sich der Turnierkalender ausdehnt oder verändert ist völlig normal. Auf der anderen Seite regiert Geld bekanntlich (und vermutlich mehr denn je) die Welt und das lässt sich weder im Fussball, beim Golf, in der Formel 1, noch im Tennis aufhalten, auch wenn das nicht nur positive Effekte hat. Warum finden mit den Paris Rolex Masters 1000 sowie den French Open gleich zwei Top-Turniere in Paris statt, dafür aber kein einziges Turnier über der 500er-Kategorie in Deutschland – obwohl der DTB zu den Mitglieder-stärksten der Welt zählt? Warum findet der überwiegende Teil der größeren Turniere in westlich-geprägten Ländern statt? Auch wenn kein Land der Welt das Vorrecht hat für alle Ewigkeit ein eigenes (größeres) Tennisturnier unter der ATP-/ WTA-Schirmherrschaft zu veranstalten, so hat sich der Turnierplan der letzten Jahre wohl kaum groß verändert.
Saudi-Arabien möchte mitmischen und ist bereit dafür viel Geld zu investieren. Das Land aus dem Mittleren Osten möchte neben den Next Gen Finals ebenfalls ein Masters 1000 Turnier veranstalten, idealerweise als Vorstufe zu den Australien Open, was wiederum den Veranstaltern der „Australien Open“ nicht gefällt, weil das auch andere kleinere australische Turniere negativ beinträchtigen würde. Die konkreten Gespräche mit einem Masters-Start 2025 dazu laufen aktuell mit der ATP/WTA. Auch soll der Saudi-Arabische staatliche Public Investment Fund (PIF) gerade prüfen, ob es alternativ möglich ist, entweder das Masters-Turnier von Miami (USA) oder das Madrid Masters (Spanien) zu kaufen und stattdessen sein eigenes Turnier stattfinden zu lassen. Outcome ungewiss.
Tennis Super League – Parallelen zum Fussball
Sollte es nicht dazukommen, dass Saudi-Arabien sein eigenes Turnier bekommt, steht auch ein Parallel-Projekt stärker denn je auf der Spur umgesetzt zu werden – Eine neue Tennis Super League. Ziel dieser Super League ist es dass die Top-Spieler- und Spielerinnen neben den vier Grand Slams bei 10 weiteren Masters-Turnieren antreten losgelöst von den bisherigen Turnieren. Das würde eine eigene in sich geschlossene Liga bedeuten respektive ein geschlossener Sportmarkt. Die Auswirkungen auf alle anderen (250er- sowie 500er-) Turniere will man sich gar nicht vorstellen. Das wäre verheerend, da die Topspielerinnen- und Spieler vermutlich ausschließlich nur noch in der Super League spielen würden, da dort sowohl das Geld als auch die Konkurrenz sitzen würde. Alleine schon wegen dieses Drucks muss sich meiner Meinung nach die ATP und WTA beugen und den Turnierkalender zu Gunsten von Saudi-Arabien überarbeiten, um das zu verhindern. Mit der LIV-Tour im Golf hat Saudi-Arabien bewiesen, dass es eine Konkurrenz-Liga aufbauen kann mit deutlich höheren Preisgeldern.
Alternativen, Entgegenkommen, Zusammenschluss von ATP- und WTA?
Eine aus meiner Meinung nach gute Lösung wäre dass einige Turniere der obersten Masters-Kategorie „rotieren“. Bspw. findet das Paris Masters nur alle drei Jahre statt, dafür kann es ein anderes Turnier geben an der Stelle. Mit den French Open hat Frankreich, bzw. sogar Paris bereits ein hochklassiges Turnier. Eine weitere Möglichkeit wäre es meiner Meinung nach andere Turniere aufzuwerten, so dass es für Spielerinnen und Spieler leichter ist sich „aufzuteilen“. Bspw. könnte man sich auch überlegen zwei Masters 1000 Turniere parallel stattfinden zu lassen, sowie das aktuell auch bereits bei Turnieren in kleineren Kategorien der Fall ist. Was man auf keinen Fall machen sollte, wäre dass man den Turnierkalender weiter aufbläht und somit den Sportlern und Sportlerinnen noch weniger Zeit zum Erholen gibt.
Denn bei allem Werben der Länder und Städte um Turnier-Ausrichtungen: Das Wichtigste ist, dass sich der Sport gesund entwickelt und das heißt, dass alle Spieler und Spielerinnen auch Ruhephasen haben und der Konkurrenz- und Punktekampf nicht ausartet, wenn jede Woche im Jahr ein Turnier stattfindet. Auch ist es schön zu sehen, wenn Topspieler auch zu „kleineren“ Turnieren kommen, wenn bspw. Alexander Zverev regelmäßig nach München kommt, auch wenn direkt danach mit Madrid und Rom zwei hochkarätige Masters 1000 Sandplatz-Turniere „wichtiger“ sind und viel Belastung erfordern.
Dass Saudi-Arabien (sportlich) diversifiziert ist ihr gutes Recht und kann in sofern auch positiv betrachtet werden, da sich das Land auch offen für den Tennissport ausspricht und neue junge Menschen aus dem eigenen Land dadurch eine Leidenschaft für Tennis entwickeln und vielleicht selbst zum Schläger greifen. Dass dadurch aber das eher westliche Tennis-Establishment nervös wird ist auch nachvollziehbar, weil Ängste bestehen Turniere die es gefühlt schon immer gegeben hat, nicht mehr stattfinden werden in Zukunft.
Aber eine Tennis Super League will keiner ernsthaft. Wenn sich die ATP und die WTA allerdings nicht zusammentun und hier neuen Märkten wie (heute) Saudi-Arabien Möglichkeiten bieten, ist eine Super League unvermeidlich in meinen Augen. Dafür haben Länder wie Saudi-Arabien einfach zu viel Geld und Hunger und es gibt kein Recht der Welt, dass es diesen Ländern verbietet eigene Turniere oder gar eine eigene Liga mitzufinanzieren. Auch sehe ich es als unrealistisch, dass die ATP oder die WTA Sanktionieren einrichten kann, wenn sich Spielerinnen und Spieler abseits der regulären ATP-/ WTA-Tour in einer möglichen Super League zusätzliches Geld verdienen. Es gibt auch in diesem Zusammenhang Stimmen, wie die von Roger Federer, die eine Zusammenlegung zwischen ATP- und WTA befürworten, um sich stärker „mit einer Stimme“ gegen neue Wettbewerber auf dem Markt zu positionieren. Denn eins ist auch klar aus meiner Sicht: Die Super League wäre geschlechtsneutral, das heißt es würde zwangsläufig nicht nur Auswirkungen auf die ATP-Tour haben, sondern auch auf die WTA-Tour, da Masters 1000 Turniere ebenfalls Damen und Herren abdecken.
Es bleibt spannend zu sehen, was der ATP- und der WTA einfällt um die richtige Mischung aus „Tennis-Tradition bewahren“, „neue Turniere ermöglichen“ und „einem gesunden Turnierplan“ zu finden, ohne dabei das Wichtigste aus den Augen zu verlieren: Die Liebe zum Spiel.
Sportliche Grüße
Euer Tennis Guru 🎾😉








